24/7

Die drei Wochen sind um,
und ich bin voll mit Hormonen,
ich könnt als Aphrodisiakum,
in einem Zuchtbetrieb wohnen.
Ich bin ihr Pied-à-terre in Kiel,
in München ist sie meins,
eine Woche Liebesspiel –
und dann drei Wochen keins.

Mein Appartement, es strahlt,
und ist ganz blitz und blink und blank.
Ich hab Champagner, eiskalt,
und gebügelte Unterhosen im Schrank.
Sie steht vor der Tür,
ganz echt und lebensgroß,
ich bin völlig außer mir,
denn endlich geht es wieder los:

Essen, Trinken, Lieben,
24/7
Das ist was unsere Welt
im Innersten zusammenhält.
Das ist was unsere Welt
im Innersten zusammenhält.

Wir nuckeln und nippeln
und schmusen und schmausen
und ich will meine Haare an ihrem Busen zerzausen.
Wir lieben voll Leidenschaft längs und auch quer
auf der Couch, am Balkon, unterm Küchentisch her,
auf dem Teppich, da machen wir Blume und Biene,
und wir tun es sogar auf der Waschmaschine.
Ach die Beziehung von Ferne
die mag ich so gerne…

Essen, Trinken, Lieben,
24/7
Das ist was unsere Welt
im Innersten zusammenhält.
Das ist was unsere Welt
im Innersten zusammenhält.

Kaum ist sie fort,
schon ist mein Leben erfroren,
ich denke betend an Eigenmord,
hab Traurigkeit in allen Poren.
Doch ein zarter Klingelton
weckt mich aus der Stille des Gebets,
ihre Stimme ist am Telefon
und ich frage: „Schatz, wie geht’s?“

Und während sie so erzählt,
schweift durch das Schlafzimmer mein Blick,
leere Flaschen überall,
der Brandfleck da, ein Missgeschick?
Die Couch klebt vom Champagner,
den ich sonst nie sauf’.
„Wir sollten zusammenziehen“,
sagt sie noch – und legt auf.

Essen, Trinken, Lieben,
24/7
52 Wochen im Jahr,
das ist doch unberechenbar!
Im Ausguss klebt ihr Pferdehaar,
und überall Rutschgefahr.

Wir motzen und meckern
und knöttern und keifen,
und sie wird sich an meinem Nutella vergreifen,
sie wird Wattebäuschchen im Klo runterspülen,
beim Suchen des BHs meine Schränke durchwühlen,
im Kühlschrank werde ich Sojamilch finden
und auf dem Nachttisch Damenbinden,
das schönste an dem Wörtchen „Paar“
wird definitiv der Singular.

Vom 24/7
bin ich jetzt schon wundgerieben.
Diese Idee ist kriminell
und prinzipiell zu schnell.
Das wird mein Highway to Hell,
da zieh ich lieber ins Hotel.