Kategorie: Liedgut

KASSE 3 (SKULPTUR D’AMOUR)

Diese Ballade handelt von unerfüllter Liebe, Stalking, industriell gefertigten Lebensmitteln und einem Randgruppenfetisch. Vier gesellschaftskritische Themen in einem einzigen Lied – das ist ressourcenoptimiertes humankapitalsparendes exzellenteffizientes hyperverdichtetes Songwriting.

HEUTE ABEND

Dieses Lied entstand nach ausführlicher Zielgruppenbefragung und repräsentativer Abstimmung.

TAUSEND WOLKEN

Tausend Wolken zieh’n vorbei, ich tat sie zählen, vorhin warn’s noch tausenddrei, doch ich erlaubte mir, drei für Dich zu stehlen.

DIE SOMMERZEIT

Mein neues Lied heißt „Die Sommerzeit“. Es ist ein politischer Protestsong zwischen klassischem Lied und Powerballade und handelt davon, dass die Zeitumstellung gar nicht lustig ist.

IM WEG RUMSTEHENDE PAARE BEIM WOCHENENDEINKAUF

Es ist Wochenende, und die Woche endet schnell, doch noch viel schneller endet man im Einkaufsduell, zwischen Radieschensalat und Tütensuppe hab ich sie schon erblickt, einen Hengst mit seiner Puppe, und sie schlendern und sie schleichen und sie schlurfen beim Geh’n, bei einkaufenden Pärchen scheint die Zeit still zu steh’n, und obwohl sie sehr schlank sind und trainiert und auch adrett, steh’n sie mitten im Weg, zwischen Fleischsalat und Mett, und das ganze ist schlimmer als ein Amoklauf: Im Weg rumstehende Paare beim Wochenendeinkauf.

RITA

Seine Freunde nenn’n ihn Rita, so steht’s in seiner Vita, er wünscht sich ein Geburtstagslied, er steht nie an der Bar, er kniet da…

24/7

Die drei Wochen sind um, und ich bin voll mit Hormonen, ich könnt als Aphrodisiakum, in einem Zuchtbetrieb wohnen. Ich bin ihr Pied-à-terre in Kiel, in München ist sie meins, eine Woche Liebesspiel – und dann drei Wochen keins. Mein Appartement, es strahlt, und ist ganz blitz und blink und blank. Ich hab Champagner, eiskalt, und gebügelte Unterhosen im Schrank. Sie steht vor der Tür, ganz echt und lebensgroß, ich bin völlig außer mir, denn endlich geht es wieder los:

FORTSCHRITT

Der Fortschritt der Menschheit ist kein Mysterium. Der Fortschritt ist Evolutionskriterium.  

FETISCHIST

Ich bin ein Fetisch-Fetischist, wo nur der Fetisch Fetisch ist. Der Fetisch selbst ist ganz egal, Hauptsache, er ist nicht banal. Ich liebe Kuscheln im Bordell, das macht mich individuell. Ich lecke Leberwurst beim Tantra, Hauptsache, es macht kein and’rer.

REDEN

Deine Gegenwart ist für mich wie ein Sommerwind, die Hormone spiel’n verrückt in meinem Herzen, Deine strahlend blauen Augen sind zwar farbenblind, doch sie leuchten wie zwei Wunderkerzen. Ich bin verknallt in Dich seit unserm ersten Augenblick, und ich habe noch tausend wilde Träume, wenn Du mich ansiehst, ist es wie ein Zaubertrick, meine Liebe für Dich schlägt Purzelbäume.

DER U-BAHN-GITARRIST

Die Sonne ist aus Neonlicht, Schlafen im Karton, hier bin ich nur, hier leb’ ich nicht, Gleis 3 ist mein Balkon. Und dann sitz’ ich hier, als Unterschicht, jeder Traum zerstört, ich sitz’ so tief, ihr seht mich nicht, aber ich weiß, dass ihr mich hört.

SONNTAGS

Wenn die Sonne strahlend glüht und Frühlingswonne prahlend blüht, wenn die Bienchen wieder brummen und die Vögelchen Lieder summen, wenn überall die Gräser sprießen, lustig wieder die Bäche fließen, ja dann wird es Zeit für den schönsten Zeitvertreib:

DAS SCHREIEN DER REGENWÜRMER

Veganismus ist schön, Veganismus ist modern, Veganisten sind die Engel, die wir alle gerne wär’n. Doch es gibt da einen Punkt, der mich überaus verwirrt: Veganistsein an sich ist furchtbar kompliziert.

ANGELSCHEIN

Kommse anne Disko und bist pikfein, aber in Wahrheit siehste aus wie Frankenstein, sagt der Türsteher: „Nee, du kommst hier nich’ rein!“, sachste: „Hey, du Arsch, ich hab ’nen Angelschein.“

TARANTELLA ALLA MORTADELLA

Hört, ich singe und ich träller, wie ein Intellektueller, mit Musik, nicht a cappella, die Tarantella alla Mortadella.

LA BRUME DE PARIS

Ils noircissent l’automne, la tête pleine de mirages, ils se lavent les mains au sang en gueulant leur message, ils puisent la haine dans les yeux qui pleurent, ils se battent sans raison dans une guerre sans vainqueurs.

NIEMALS

Hand in Hand das Leben genießen. Bis in die Nacht sich mit Cocktails abschießen. Verliebt durch einsame Gassen bummeln. Heimlich in der letzten Busreihe fummeln. Gemeinsam eine Katze adoptieren. Löcher in den Regenbogen stieren. Endlich ein Tattoo stechen lassen. Beim In-die-Augen-schaun den letzten Zug verpassen.

IM REGIERUNGSVIERTEL BEI NACHT

Tam tadadamm. Tam tadadamm. Tam tam, tadei, Tam tadadamm. Tam tam, tadei. Im Regierungsviertel bei Nacht herrscht das Vakuum der Macht. Taucht der Luftdruck unter die Normbereiche, wird Berlins Mitte zur Leiche. Im Regierungsviertel bei Dunkelheit herrscht totenstille Einigkeit, selbst die Kanzleramtsmäuse sind – zack – übern Zaun in den Wedding abgehau’n.

LASS DICH STREICHELN

Hast Du was ganz prima gemacht? Oder fällst Du in nen Brunnenschacht? Hat man Dich mal böse nassgespritzt? Bist Du traurig, weil Dein BH nicht richtig sitzt?

TRÄNENBALLADE

Blätter flattern fade nieder, in der Ferne stöhnt ein Sturm. Graues Licht singt öde Lieder, Weltgewalt, du machst mich Wurm. Sauer schmecken Süßigkeiten, Trauer fließt den Tag entlang, Mein Rezept für zähe Zeiten, das praktiziere ich von Kindheit an:

ES IST SOMMER

Es ist Sommer, Bylle und Béton sitzen still in einem Fesselballon, und der Wind, er pfeift, und es fällt kein Wort, das niemand ergreift, und es springt auch niemand über Bord.