SKI

Liebe Gemeinde, verehrtes anwesendes Internet, ich habe schon gesehen, Sie haben so viel Schönes möglich gemacht. Sie haben Menschen aus dem Kittchen gecrowdfundet, Sie haben WG-Mädchen Küchenwünsche und Tweeties Fahrradträume erfüllt. Ich komme dann wohl besser mal zur Sache. Also, mein letzter Skiurlaub ist furchtbar lange her, und da ich jetzt über vierzig bin, weiß ich auch gar nicht, wie lange ich diesen wunderschönen Sport, der mich seit frühester Kindheit den ersten Sackhaaren begleitet, überhaupt noch ausüben können werde zu vermögen behuft sein.

NIEMALS

Hand in Hand das Leben genießen. Bis in die Nacht sich mit Cocktails abschießen. Verliebt durch einsame Gassen bummeln. Heimlich in der letzten Busreihe fummeln. Gemeinsam eine Katze adoptieren. Löcher in den Regenbogen stieren. Endlich ein Tattoo stechen lassen. Beim In-die-Augen-schaun den letzten Zug verpassen.

IM REGIERUNGSVIERTEL BEI NACHT

Tam tadadamm. Tam tadadamm. Tam tam, tadei, Tam tadadamm. Tam tam, tadei. Im Regierungsviertel bei Nacht herrscht das Vakuum der Macht. Taucht der Luftdruck unter die Normbereiche, wird Berlins Mitte zur Leiche. Im Regierungsviertel bei Dunkelheit herrscht totenstille Einigkeit, selbst die Kanzleramtsmäuse sind – zack – übern Zaun in den Wedding abgehau’n.

ZWANGSWEISE

Der allgemeinen Bühnenknappheit in Berlin ist es  geschuldet, dass Ulf Henrich am gleichen Abend bedauerlicherweise ebenfalls im Zimmer 16 auftritt. Berückendes Liedgut am Klavier, zahlreiche Chansons und Artefakte und noch nie dagewesene atemberaubende Weltpremieren – das erwartet Sie in meiner Hälfte des Abends. AM SAMSTAG · 5. SEPTEMBER 2015 · 21:00 Uhr im Zimmer 16 · Florastraße 16 · Berlin-Pankow

LASS DICH STREICHELN

Hast Du was ganz prima gemacht? Oder fällst Du in nen Brunnenschacht? Hat man Dich mal böse nassgespritzt? Bist Du traurig, weil Dein BH nicht richtig sitzt?

MUTTI LÜGT NICHT

Huhu Folks, (hust) ich habe ein neues Lied geschrieben, bei dem ich Eure Hilfe gebrauchen könnte konnte. Es heißt „Mutti lügt nicht“ und es soll sogar schon nächsten Monat Ende Oktober fertig werden. Nun könnte ich eine lustige Party bei mir veranstalten, ein Fass Bier hinstellen, und jeder trällert einmal ins Mikrofon, bis wir alle lallen. Aber da wir damit höchstens 2017 fertig würden, habe ich mir etwas anderes überlegt: Vielleicht habt Ihr ja Lust, von Ferne beim Refrain mitzusingen und davon einen kurzen Clip zu drehen. Es wäreWeiterlesen…

TRÄNENBALLADE

Blätter flattern fade nieder, in der Ferne stöhnt ein Sturm. Graues Licht singt öde Lieder, Weltgewalt, du machst mich Wurm. Sauer schmecken Süßigkeiten, Trauer fließt den Tag entlang, Mein Rezept für zähe Zeiten, das praktiziere ich von Kindheit an:

ES IST SOMMER

Es ist Sommer, Bylle und Béton sitzen still in einem Fesselballon, und der Wind, er pfeift, und es fällt kein Wort, das niemand ergreift, und es springt auch niemand über Bord.

WALTRAUD

Es ist ein glitzernder Frühlingsmorgen, als die Sonne über Ostfriesland aufgeht. Sie streichelt mit ihren goldenen Strahlen die Wiesen und Felder und Baumkronen, denn Wecken ist ja schließlich ihr Job. „Aufstehen“, flüstert die Sonne, „heute wird ein toller Tag!“

AUF DEM SOFA

„Schatz?“ „…“ „Schatz?“ „…“ „SCHATZ!“ „Wasn?“ „Du knabberst.“

LETZTENS

Vom Tod zu erzählen ist aus offenkundigen Gründen in aller Regel nur als Außenstehender möglich, vom Sterben aus direkter Quelle zu berichten scheint indes bedeutend einfacher. Vorausgesetzt, man hat genug Zeit und ein ausreichendes Bedürfnis, sich während des Sterbens mit den Befindlichkeiten der Nachwelt zu befassen. Überhaupt ist geschicktes Timing alles.

DA UNTEN

„Stinkst Du gerne?“, der Junge mit den tiefen blauen Augen guckte herab und wartete, und seine tiefen blauen Augen glänzten voll Neugierde und Unschuld. „Ich habe noch niemanden gesehen, der so stinkt.“ Der Junge drehte sich und blickte wie zum Beweis rings um die eigene Achse.

PAULA

Fünfzig. Fünf. Null. Seit Monaten saß Paula diese Zahl im Nacken, und jetzt: Klick. Der Lichtschalter im Hausflur klickte so spröde wie eine leere Revolverkammer beim Russischen Roulette, und die Neonröhre zuckte, bevor sie das erste Licht für Paulas neues Lebensjahr abgab. Nicht, dass es plötzlich gekommen wäre. Wer wird schon überraschend fünfzig? „Du bist immer noch dieselbe“, hatte letzte Woche die Fußpflegerin gesagt. Aber genau das war vielleicht das Problem. Dass sie noch immer dieselbe war. Und vermutlich, dass sie mittlerweile zur Fußpflege ging.

MITTWOCHS

Pressen. Plätten. Warten. Wenden. Pressen. Plätten. Warten. Renate kann das blind. Mit Apfelmus. Mit Rübenkraut. Mit ohne alles. Mit Mayonnaise. Bei Mayonnaise wird ihr regelmäßig übel, obwohl ihr Magen einiges gewöhnt ist. Igitt! Reibekuchen mit Mayonnaise. Pressen. Hebeln. Dreiachtzig. „Lassen Sie sich‘s schmecken“, lächelt Renate dann.

AN DER GRENZE

„Willst Du vorher noch was trinken?“ Babetta schlurfte durch das Zimmerchen. Der staubige Holzboden stöhnte, und außer dem Stöhnen hörte man nichts weiter. Die schlabbrigen Vorhänge hatten schon lange keine Blicke mehr ausgesperrt. Babetta blinzelte kurz nach draußen, doch auch jetzt blinzelte niemand zurück. Mit einem Ruck sperrte sie die Sonne aus.

STADTBAHN

„In drei Minuten entgleist dieser Zug. Spring!“ Die Nachricht war unmissverständlich. Jarl starrte auf sein Mobiltelefon. Springen? Die Stadtbahn führte ausnahmslos über Brücken. Man konnte doch nicht aus einem Eisenbahnwaggon springen, nur weil es in einer SMS stand.

CONSHOHOCKEN KITTY SHUFFLE

„Seit wann lag sie am Ufer?“, Chief Morley nahm noch etwas von dem angeschmorten Fleisch in der süßsauren Pampe und verteilte es mit dem Porzellanlöffelchen auf dem matschigen Reis. „Ein paar Tage, vielleicht. Der Schuylkill hat Hochwasser, kann man schlecht sagen. Warum wollen Sie das wissen, Chief?“, fragte Lippincott und versuchte, krümelfrei seinen Glückskeks zu öffnen.

WEG

Duschen und Weinen ist wie Schwimmen im Regen. Seltsam vertraut fühlt es sich an, und fremd zugleich. Frauen tun es nach einer Vergewaltigung, wenn man den Spielfilmen glauben kann, und psychotische Wahnsinnige lauern dahinter, hinter den Duschvorhängen. Ich Wahnsinniger, dusche und weine. Das letzte Mal, hier.

WILLKOMMEN

Ich bin Tom und heiße Sie herzlich willkommen. Wenn Sie mir etwas nettes schicken möchten, oder falls Sie ein paar Fragen haben, tun Sie dies gern, aber bitte an tomättvanortenpunktde. Danke.